Ablauf und Ergebnisse des Projektes
„KiM“ steht für „Kooperation im Mittelstand“. Unter diesem Begriff hat die Grundig Akademie und das Institut für Innovations-Management neue Wege entwickelt und erprobt, um Kooperations- und Netzwerkwissen in mittelständische Unternehmen zu tragen. Hintergrund: Immer noch scheitern etwa 80% aller Kooperationsversuche an fehlendem Know-how zum Thema! Kooperationen werden aber im Schatten eines global gewordenen Wirtschaftsgeschehens zunehmend erfolgs- und überlebensentscheidend. Finanziert wurde das Projekt vom Bayerischen Arbeitsministerium mit Mitteln aus dem Europäischem Sozialfond.
Projektziel
Ziel des Modellprojekts „Kooperation im Mittelstand“ war, mittelstandsgerecht aufgearbeitetes Kooperationswissen an mittelständische Unternehmer und deren Führungskräfte zu vermitteln. Damit sollten Kooperationsentwicklungen gefördert und die bisher überproportional hohe Scheiterungsquote von Kooperationsversuchen gesenkt werden. Hintergrund dieser Überlegung war, dass insbesondere in wirtschaftlich schwachen Regionen die Rolle des Mittelstandes als potenzieller Arbeitgeber immer wichtiger wird.
Ergebnisse
Insgesamt wurden in 17 Trainingsserien über 200 Workshops mit knapp 250 Unternehmern und Führungskräften realisiert. Für diesen Know-how-Transfer wurden umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten erfasst, geprüft, selektiert und die Inhalte auf Praxisniveau gebracht. Zwölf Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen wurden mit einem Train the Trainer Programm auf die zu erprobende, spezifische Workshoparbeit vorbereitet.
Im Projektverlauf sind mehr als 20 Kooperationsinitiativen bekannt geworden, die durch die Projektarbeit entstanden sind. Jede dieser Kooperation hatte etwa 6 bis 12 Mitgliedsfirmen. Darüber hinaus entstand auch eine grenzüberschreitende „interregionale“ deutsch-tschechische Kooperation. Zusätzlich haben sich an unterschiedlichen Standorten Unternehmerstammtische gebildet. Die erfahrenen Synergieeffekte aus einem branchenübergreifenden Informationsaustausch wurden als sehr wertvoll beurteilt. Die Teilnehmer wollten angefangene Kontakte und Netzwerke weiter pflegen.
Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes mit über 5.600 bayerischen Unternehmern und Führungskräften aus dem Mittelstand zur Kooperationsthematik gesprochen. Die Auswertung der Ergebnisse weicht teilweise gravierend von bisher veröffentlichten Umfragen zu Kooperationsaktivitäten ab. Auch von bisherigen Aussagen zu Kooperationsaktivitäten im echten Mittelstand.
Demnach waren lediglich 1,9% der Unternehmen in Verbünden integriert, die als Kooperation bezeichnet werden konnten. Dagegen waren 27,3 % der Ansicht, sie brauchen sich mit dieser Thematik nicht auseinandersetzen (!), während die verbleibenden 70,8% von einer spannenden und wichtigen Thematik sprachen und Interesse an Kooperations-Know-how hatten.
Von diesen 70,8 % Unternehmen wollten sich knapp 40% trotz erkannter Brisanz der Thematik nicht näher damit auseinander setzen. Für 47% war das (fördertechnisch vorgegebene) Zeitvolumen für einen Know-how-Transfer nicht realisierbar.
Vorgehensweise
Inhaltlich wurden fünf Themenkomplexe aufgearbeitet:
- „Harte Kooperationsfaktoren“
- „Weiche Kooperationsfaktoren“: Sozialkompetenz in Kooperationen und Netzwerken
- Kooperationsrecht
- Interkulturelle Kompetenz
- Wissensmanagement in Kooperationen
Aufgeteilt wurden die Themen auf 6 Module zu je 2 Tagen mit einer Pause von jeweils drei Wochen zwischen den Modulen. Nicht zuletzt aus dem Feedback der Teilnehmer hat sich im Modellverlauf folgende Gliederung entwickelt:
Modul 1: Einführung ins Thema, Rahmenüberblick
Modul 2: Harte Kooperationsfaktoren Teil 1
Modul 3: Soziale Kompetenz in Kooperationen
Modul 4: Harte Kooperationsfaktoren Teil 2
Modul 5: Ergänzungswissen Recht und Kooperationsmanagement
Modul 6: Weiches Kooperationswissen interkulturelle Kompetenz, Wissensmanagement
Seminare
Folgende Veranstaltungen wurden im Rahmen des Modellprojektes realisiert:
24.09.2004 Mitterteich "Baubranche - Verbund- und Netzwerkentwicklung"
29.10.2004 Nürnberg "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
10.02.2005 Hof "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
17.03.2005 Kronach "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
18.03.2005 Nürnberg "Baubranche - Verbund- und Netzwerkentwicklung"
18.04.2005 Mitterteich "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
13.06.2005 Cham "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
01.09.2005 Regen "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
08.09.2005 Grainet "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
19.09.2005 Hof "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
14.10.2005 Cham "Baubranche - Verbund- und Netzwerkentwicklung"
17.11.2005 Schweinfurt "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
09.12.2005 Hof "Baubranche - Verbund- und Netzwerkentwicklung"
27.01.2006 Grafenau "Baubranche - Verbund- und Netzwerkentwicklung"
16.03.2006 Kronach "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
20.04.2006 Mitterteich "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
08.06.2006 Cham "Regionale Neukooperation im Mittelstand"
Unsere wichtigsten Erfahrungen waren
- Mit zunehmendem Wissen um „harte Kooperationsfaktoren“ wurde Teilnehmern erkennbar transparent, was kooperative Strukturen eigentlich machbar erschließen. Analog dazu war beobachtbar, dass in Konsequenz vorher bestehende Hemmschwellen und Denkbarrieren gegenüber einem Arbeiten in Verbünden „über Bord geworfen“ wurden.
- Die „weichen Kooperationsfaktoren“ wurden von den Teilnehmern unerwartet als sehr wichtig und wertvoll aufgenommen und beurteilt.
- Das Themenfeld „Sozialkompetenz“ wurde von allen Teilnehmern als ein Schlüsselthema beurteilt, um maximale Win-Win-Ergebnisse und Synergien zu erzielen.
- Erkannt wurde, dass „Interkulturelle Kompetenz“ sich zu einem weiteren Schlüsselthema für den Mittelstand entwickelt, um Märkte erfolgreich zu erweitern und um internationalem Wettbewerb erfolgreich begegnen zu können.
- Auch Wissensmanagement wird ein zunehmend aktuelles Thema in Kooperationen.
- Gefragt und gefordert wurde Know-how-Transfer auf der Grundlage konkreter Bedürfnisse der Teilnehmer.
Zusammenfassung
Für die aktuelle Mittelstandspraxis wichtig: Das Angebot der Grundig Akademie zu einem Know-how-Transfer für Kooperationswissen bleibt erhalten. Ganz wichtig:
- Die Nutzung ist nicht mehr auf Fördergebiete eingeschränkt.
- Die Kosten sind moderat.
- Der erforderliche Zeitaufwand wurde deutlich verkürzt.
- Jeder Interessent entscheidet selbst, was er in Anspruch nehmen möchte und was nicht.
Die im Projekt durchgeführte „Unternehmerkommunikation“ zum Thema war nach unserem Kenntnisstand die umfangreichste, die bisher zum Thema stattgefunden hat (bisherige Befragungen umfassten max. ca. 1600 Unternehmen, von denen weniger als die Hälfte geantwortet haben). Wir haben die Gesprächsergebnisse aus über 5.600 real geführten Gesprächen ausgewertet. Folgende Faktoren lassen sich zusammenfassen
- Die Sensibilität zum Thema ist sehr hoch. Mehr als 70 % der Gesprächspartner fanden die Thematik wichtig und interessant.
- Der Begriff „Kooperation“ wird in weiten Strecken für normale Geschäftsbeziehungen missbraucht.
- Die Hemmschwellen, sich intensiver mit echten Kooperationsthemen zu beschäftigen, sind unverändert hoch. Unsicherheit und fehlendes Wissen sind Hauptursachen. In Teilbereichen aber auch eine ausgeprägte Team- und damit sicherlich auch Kooperationsunfähigkeit.
- Der Bedarf, sich aktuelles Wissen anzueignen, ist hoch und differenziert. Hauptproblem ist ein mittelstandsgerechtes Transferangebot, das besonders dem knappen Zeithaushalt gerecht wird.
- „Wissen“ sollte sich in der Erwartungshaltung von Mittelständlern so schnell wie möglich und erkennbar direkt in der Praxis anwenden lassen. Nach Möglichkeit mit sehr kurzfristig greifbaren wirtschaftlichen Erfolgen.
- „Information“ hat in sehr vielen Fällen zu einer gravierenden Einstellungskorrektur und Öffnung gegenüber neuen Strukturen geführt, weil ein deutlicher wirtschaftlicher Nutzen transparent wurde.
In Konsequenz aus den Projekterkenntnissen wurde das Themenfeld „Kooperationswissen“ in das Seminarprogramm der Grundig Akademie aufgenommen. Diese Kurse sind damit jedermann zugänglich. Darüber hinaus erfolgte die Initiierung eines „Virtuellen Kooperations-Kompetenzzentrum“ als Plattform für verschiedene mittelstandsgerechte Hilfestellungen beim Bemühen, sich neu und zukunfttsorientiert zu strukturieren.
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